16.03.2026

Natalie Auburger über ihr Buch “Vom Himmel gefallen”:
“Eine wahre, außergewöhnliche Geschichte, die eindrucksvoll zeigt, was mit der richtigen inneren Haltung möglich ist”

Hoch in der Luft verliert Natalie Auburger die Kontrolle über ihren Gleitschirm. Sie wird ohnmächtig und fällt ungebremst im Spiralsturz auf die Erde. Sie überlebt, doch ihre Wirbelsäule ist zertrümmert. Als ihr bewusst wird, dass ihr Körper bauchabwärts gelähmt ist, schließt sie spontan ihren „Deal mit Gott“ ab: Sie will nur überleben, wenn sie wieder gehen kann.

Damit beginnt ein außergewöhnlicher Heilungsweg. Sie setzt alles auf eine Karte und folgt bei jeder Entscheidung ihrer inneren Stimme, zeigt eisernen Willen, setzt sich klare Ziele und lässt sich auch von Rückschlägen nicht desillusionieren. So aktiviert sie ihre Selbstheilungskräfte und kann sich schließlich ein neues, glückliches Leben gestalten – und hat alles aufgeschrieben in ihrem Buch Vom Himmel gefallen. Mein Deal mit Gott und ein außergewöhnlicher Heilungsweg. Anlass für Fragen:

Franziska Altepost: Am Anfang die naheliegendste Frage: Worum geht es eigentlich in dem Buch “Vom Himmel gefallen …”?

Natalie Auburger: Ich bin tatsächlich vom Himmel gefallen, denn ich bin mit meinem Gleitschirm abgestürzt – und das mitten in Kolumbien.

Als ich wieder zu Bewusstsein kam und realisierte, dass ich meine Beine weder ansteuern noch bewegen konnte, schickte ich ein Stoßgebet gen Himmel: Ich wollte nur überleben, wenn ich auch wieder gehen kann. Das war mein Deal mit Gott.

Das klingt vielleicht sehr drastisch – fast so, als sei ein Leben im Rollstuhl nicht lebenswert. Doch diese Worte kamen aus meinem tiefsten Inneren, ohne dass ich darüber nachgedacht habe.

In meinem Buch geht es einen heftigen Schicksalsschlag, um die Diagnose Querschnittslähmung – Paraparese ist der medizinische Begriff –, um die Prognose eines Lebens im Rollstuhl und darum, wie ich mit meiner inneren Einstellung dieser Prognose die Stirn geboten habe. Es erzählt von meinem Heilungsweg, den ich mit aller Kraft und Lebensfreude gegangen bin – bis ich schließlich wieder gehen konnte, ganz entgegen der Prognose der deutschen Ärzte. Wohlgemerkt der deutschen Ärzte, denn die kolumbianischen Ärzte waren diesbezüglich zuversichtlich.

Eine Geschichte, die schockiert, aber auch und vor allem beeindruckt und bewegt. Wieso hatten Sie das Gefühl das alles auf Papier zu bringen – mit welcher Intention?

Ich habe von Anfang an tief in mir gespürt, dass ich diesen Heilungsweg nicht nur für mich allein gehe. Deshalb war mir schnell klar, dass ich meine Geschichte teilen und als Buch veröffentlichen möchte.

Meine Intention ist es, mit dem, was ich erlebt habe, Kraft, Zuversicht und Inspiration für die eigenen Herausforderungen im Leben zu schenken. Vielleicht kann meine Geschichte auch dabei helfen, wieder mehr Dankbarkeit für das zu empfinden, was wir haben.

Sie wollen Hoffnung machen und Mut. War es hierbei auch schwer, das alles noch einmal zu durchleben?

Ja, beim Überarbeiten der Texte sind einige heilsame Tränen geflossen. Gleichzeitig lag darin ein großes Geschenk: Mein Herz wurde immer weiter, und ich konnte noch mehr Liebe für all die Menschen empfinden, die mir auf diesem Weg so selbstlos geholfen haben.

Was hat sich nach all dem am meisten in Ihrem Leben verändert?

Am meisten hat sich verändert, dass ich nichts mehr als „normal“ oder „selbstverständlich“ ansehe. Ich musste mir so vieles, dem ich früher kaum Aufmerksamkeit geschenkt habe, mühsam zurückerarbeiten. Deshalb sind selbst unscheinbare Bewegungen für mich noch immer ganz großes Kino.

Zum Beispiel einfach auf die Toilette gehen und ohne Katheter pinkeln können. Eine Teekanne hochheben und Tee in Tassen einschenken. In der Küche stehen, Salat waschen und Gemüse schneiden. Sich bücken, um etwas aufzuheben, frei stehen zu können – jeder einzelne Schritt, den ich wieder gehen kann, erfüllt mich mit tiefster Dankbarkeit.

Stark verändert hat sich auch, dass ich sehr genau darauf achte, wofür und mit wem ich meine kostbare Lebenszeit verbringe. Ich habe deutlich weniger Tagesenergie, brauche durch meine Entschleunigung für vieles länger und zusätzlich viel Zeit für Physiotherapie, mein tägliches Gymnastikprogramm, Heilmeditationen und Qi Gong. All das ist notwendig, um trotz der körperlichen Einschränkungen eine gute Lebensqualität in meinem „zweiten Leben“ zu haben.

Und ich verschiebe nichts mehr auf später. Ich habe erlebt, wie schnell das Leben vorbei sein oder sich komplett verändern kann. Deshalb möchte ich das, was möglich ist, wirklich leben.

So habe ich mir vier Jahre nach meinem Unfall meinen Kindheitstraum vom eigenen Pferd erfüllt. Mit meinen Einschränkungen ist das ein verantwortungsvoller Schritt und braucht Mut. Doch mit der Unterstützung meines Mannes ist es möglich – und so ist unser Pferd Nyki zu meinem täglichen Quell der Freude und zu meinem besten Therapeuten auf allen Ebenen geworden.

Vor meinem Unfall hatte ich tausend Gründe, warum ein eigenes Pferd nicht möglich sei und eine Reitbeteiligung doch viel praktischer wäre. Heute weiß ich: Wenn uns etwas wirklich am Herzen liegt, sollten wir Wege suchen es zu ermöglichen – nicht Gründe dagegen.

Sind Sie dennoch der Mensch, der Sie vor dem Absturz waren?

Ja, das bin ich – allerdings bereichert um ganz außergewöhnliche Erfahrungen, die mich tief im Herzen berührt und geprägt haben.

Dazu gehört vor allem die Liebe und Fürsorge, die ich als Ausländerin in der Klinik in Kolumbien erfahren durfte – ebenso wie die Unterstützung meines Mannes, meiner Familie und meiner Freunde. Es ist das eine zu wissen, dass man Menschen an seiner Seite hat, die für einen da sind. Aber es tatsächlich zu erleben, wie sie für mich da sind – mit welcher Liebe, welchem unermüdlichen Einsatz und welcher Selbstverständlichkeit –, das ist etwas völlig anderes.

Oft erfährt man diese Liebe und Wertschätzung für das eigene Sein erst, wenn man gestorben ist. Ich durfte sie schon zu Lebzeiten so intensiv erleben – und das ist etwas zutiefst Berührendes, das ich immer im Herzen tragen werde.

Als ich noch im Rollstuhl saß und noch unklar war, ob das mit dem Gehen wirklich sinnvoll funktioniert, habe ich tatsächlich in mein Tagebuch geschrieben, dass dieses tiefe Erleben, was ich meinen Liebsten bedeute, so kostbar für mich ist, dass es all die Schmerzen und Verletzungen wert war.

Sie sind ja sehr im Frieden mit dem Unfall und seinen Auswirkungen im täglichen Leben. Gibt es dennoch etwas, das Sie besonders vermissen?

Ja, das gibt es. Ich vermisse die Leichtigkeit des Unterwegsseins – lange Spaziergänge, Bergwanderungen, mehrtägige Touren oder spontane Städtetrips.

Mein Mann und ich sind einmal die 800 Kilometer des Jakobswegs von Südfrankreich bis Santiago de Compostela gepilgert. Dieses Gefühl, einfach loszugehen, Schritt für Schritt, und am Ende anzukommen – das fehlt mir. Auch durch fremde Städte zu bummeln, sie neugierig zu Fuß zu entdecken und ganz in sie einzutauchen – dem trauere ich tatsächlich nach.

Was mir an manchen Tagen wirklich schwerfällt, ist die Tatsache, dass ich von meinen körperlichen Einschränkungen keinen Urlaub machen kann. Normalerweise macht man Urlaub, um sich vom Alltag, von der Arbeit etc. zu erholen. Bei mir reisen die körperlichen Einschränkungen und „Freund Schmerz“ immer mit – egal, wohin ich fahre.

Auch wenn ich bewusst auf die Sonnenseiten meines neuen Lebens schaue, gehören diese Schattenseiten doch dazu. Und manchmal darf man sie auch benennen.

Mit welchen drei Worten würden Sie selbst das Buch beschreiben?

Schonungslos ehrlich, unerwartet amüsant, überraschend inspirierend. Okay – das waren jetzt sechs Wörter, wenn man es genau nimmt 😉

Welche Leserschaft wollen Sie mit Ihrer Geschichte erreichen und welche Reaktionen erhoffen Sie sich?

Ich möchte vor allem Menschen erreichen, die selbst gerade einen Schicksalsschlag durchleben oder jemanden in ihrem Umfeld begleiten. Anhand meiner Geschichte möchte ich zeigen, dass man eine solche Herausforderung meistern und sich dabei so viel Lebensfreude wie möglich bewahren kann. Und vielleicht erkennt man am Ende sogar, dass in allem – so schwer es auch sein mag – ein Geschenk liegen kann, wenn man bereit ist, es zu sehen und anzunehmen.

Ebenso wünsche ich mir, Mitarbeitenden im Kranken- und Pflegebereich sowie in der Rehabilitation eine authentische, wahre Geschichte an die Hand zu geben – eine Geschichte, die Mut macht, Kraft gibt und die sie mit ihren Patientinnen und Patienten teilen können.

Darüber hinaus richtet sich mein Buch an Leserinnen und Leser, die sich für echte, berührende Lebensgeschichten interessieren.

Und letztlich an alle, die einfach eine gute, bewegende Story lesen möchten – sie werden ganz sicher überrascht sein.

Und die Buchhändlerinnen und Buchhändler? Mit welchem Argument können sie das Buch im Laden gut verkaufen?

Es ist eine wahre, außergewöhnliche Geschichte, die eindrucksvoll zeigt, was mit der richtigen inneren Haltung möglich ist. Das Buch verbindet Schicksalsschlag, Mut, Heilungsweg und persönliche Transformation – authentisch erlebt und ehrlich erzählt.

Zugleich eröffnet es einen bewegenden Einblick in die medizinische Versorgung in Kolumbien und stellt diese den Erfahrungen in deutschen Krankenhäusern gegenüber – ein Perspektivwechsel, der berührt und zum Nachdenken anregt.

„Vom Himmel gefallen“ ist die autobiografische Geschichte einer deutschen Autorin, die nicht nur von einem dramatischen Absturz erzählt, sondern vor allem von Hoffnung, Kraft und der Entscheidung, das eigene Leben neu zu gestalten.

Ein Buch, das inspiriert – und Leserinnen und Leser emotional mitnimmt.

Wie stellen Sie sich eine Schaufenstergestaltung zum Buchtitel vor?

Ich sehe eine eindrucksvolle Berglandschaft Kolumbiens vor mir – kraftvoll, weit und ursprünglich. Darüber den Himmel, der gerade zwischen den Wolken aufreißt, während die Sonne hell und hoffnungsvoll durch diese Wolkenlücke strahlt.

Ein Gleitschirm kreist frei in der Luft – als Symbol für Freiheit, Mut und das Leben selbst.

Am Boden liegt ein weißes Herz. Es bildet einen stillen, berührenden Kontrast zum weiten Himmel darüber, der sich öffnet – als Zeichen für Verletzlichkeit, aber auch für Liebe, Hoffnung und Neubeginn.

In dieses Szenario eingebettet wird das Buch „Vom Himmel gefallen“ dekoriert – als zentrales Element zwischen Himmel und Erde.

So entsteht eine Szenerie, die sowohl den dramatischen Absturz als auch die Hoffnung und das Licht danach sichtbar macht, und die Passanten emotional anspricht und neugierig macht.

Zum Original-Artikel der Agentur Altepost